Mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft über 800 Meter hat sich Ole Steinbach einen lang gehegten Traum erfüllt. Der Nachwuchsläufer des Dresdner SC sicherte sich nicht nur den nationalen Titel in der U18, sondern auch die Qualifikation für die U18-Europameisterschaft. Vom 16. bis 19. Juli wird der 16-Jährige in Rieti (Italien) erstmals international für Deutschland an den Start gehen. Kurz vor seiner Abreise haben wir mit ihm über seinen bisher größten sportlichen Erfolg, den Alltag zwischen Schule und Leistungssport sowie seine Ziele für die Zukunft gesprochen.
Stell dich doch zunächst einmal kurz vor. Wer bist du, wie alt bist du und welche Rolle spielt die Leichtathletik in deinem Leben?
Ole Steinbach:
Hi, ich bin Ole. Ich bin 16 Jahre alt, werde dieses Jahr 17 und bin dieses Jahr Deutscher Meister über die 800 Meter in der U18 geworden. Nächste Woche fahre ich zur Europameisterschaft nach Italien und möchte dort ganz groß angreifen.
Du hast gerade von deinem Titel bei den Deutschen Meisterschaften der U18 erzählt. Wie bist du ursprünglich überhaupt zur Leichtathletik gekommen?
Ole Steinbach:
Zur Leichtathletik bin ich durch meine Eltern gekommen. Die haben mich damals schon in der Grundschule angemeldet. Das mache ich jetzt seit ungefähr sieben Jahren. Ich bin einfach durch den Breitensport reingekommen, habe alle Trainingsformen mal ausprobiert und dabei gemerkt, dass es mir Spaß macht. Dann ging es immer weiter und deshalb bin ich jetzt hier gelandet.
Die Deutsche Meisterschaft liegt jetzt etwa eine Woche zurück. Kannst du uns noch einmal mit in diesen Moment nehmen? Wie hat es sich angefühlt, als du realisiert hast, dass du Deutscher Meister geworden bist?
Ole Steinbach:
Ich war erst mal extrem aufgeregt, schon am Tag davor. So aufgeregt war ich vorher noch nie, selbst in der Halle nicht. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, draußen zu gewinnen.
Es war ein bisschen ein komisches Rennen, weil niemand so richtig das Tempo machen wollte. Dadurch wurde es am Ende etwas langsamer, bis dann schlussendlich der Schlussspurt entschieden hat. Zum Glück hat mir der Schlussspurt gelegen, sodass ich gewinnen konnte.
Als ich ins Ziel gelaufen bin, konnte ich das erst gar nicht richtig realisieren. Natürlich habe ich mich direkt gefreut, aber erst nach ein paar Minuten kam wirklich das Gefühl auf: „Geil, ich habe gewonnen. Ich fahre zur Europameisterschaft.“ Das war schon ein echt cooles Gefühl.
Danach ging es zur Siegerehrung und anschließend zur Einkleidung. Dort habe ich es dann so richtig realisiert. Und jetzt bin ich mir natürlich sicher.
Mit dem Titel hast du dir das Ticket für die Europameisterschaft gesichert. Wohin geht die Reise genau, welche Bedeutung hat die Teilnahme für dich und welche Ziele setzt du dir für den Wettkampf?
Ole Steinbach:
Die Teilnahme bedeutet mir sehr, sehr viel, weil das bis jetzt mein allergrößtes Ziel war, irgendwann einmal international für Deutschland zu starten. Dass das dieses Jahr schon geklappt hat, freut mich natürlich sehr.
Wir fliegen nach Italien, nach Rom. Der Wettkampf findet dann in Rieti statt. Dort werde ich am Donnerstag das erste Mal starten und hoffe natürlich zunächst, ins Halbfinale zu kommen. Danach schauen wir, ob es vielleicht auch noch fürs Finale reicht.
Ein erstes großes Ziel ist auf jeden Fall, überhaupt erst einmal das Finale zu erreichen. Außerdem möchte ich die Atmosphäre und die Stimmung mit den ganzen anderen deutschen Athleten genießen.
Leistungssport auf diesem Niveau erfordert viel Disziplin und Trainingsaufwand. Nimm uns doch einmal mit durch eine typische Trainingswoche. Wie sieht dein Alltag aktuell aus?
Ole Steinbach:
Natürlich variiert das immer, je nachdem, ob man sich gerade in der Aufbauphase oder in der Wettkampfphase befindet.
Zurzeit habe ich montags zweimal Training. Einmal früh, da machen wir einen Dauerlauf, und nachmittags steht Schnelligkeitstraining an.
Am Dienstag kommt entweder Alternativtraining oder ein weiterer Dauerlauf dazu. Mittwoch machen wir Tempoläufe und noch eine Krafteinheit. Am Donnerstag haben wir oft ebenfalls zweimal Training – früh und nachmittags, jeweils entweder Alternativtraining oder einen Dauerlauf.
Freitag kommt noch einmal ein Tempodauerlauf dazu beziehungsweise anschließend noch etwas Krafttraining. Am Wochenende steht ebenfalls Alternativtraining oder ein Dauerlauf auf dem Plan.
Das klingt nach einem sehr hohen Trainingspensum. Wie gelingt es dir, Schule, Training und Privatleben miteinander zu vereinbaren?
Ole Steinbach:
Schule funktioniert tatsächlich ganz gut, weil an der Sportschule alles gut abgestimmt wird. Natürlich ist es trotzdem manchmal hart. Wenn man am Wochenende zwei Wettkämpfe hat und in einer Woche vier Klassenarbeiten schreibt, muss man schon Prioritäten setzen und schauen, wofür man mehr lernt.
Schule klappt aber grundsätzlich gut. Beim Privatleben muss man sich natürlich schon einschränken. Deshalb ist das bei mir wahrscheinlich nicht so ausgeprägt wie bei anderen Jugendlichen, weil ich mich sehr auf den Sport konzentriere. Aber ich habe mich auch bewusst dafür entschieden.
Das bedeutet, das Abitur ist weiterhin fest eingeplant?
Ole Steinbach:
Absolut, ja. Drei Jahre noch. Dann ist das Abitur geschafft.
Hinter sportlichem Erfolg steht oft ein starkes persönliches Umfeld. Welche Rolle spielen dabei dein Trainer, deine Familie und deine Teamkollegen? Und wer ist eigentlich dein Trainer?
Ole Steinbach:
Mein Trainer ist Erik Haß. Er ist Stützpunkttrainer für den Laufbereich hier in Dresden. Ich trainiere jetzt seit fast eineinhalb Jahren bei ihm und bin sehr zufrieden, weil das Training einfach funktioniert.
Genauso wichtig sind aber auch meine Eltern und vor allem meine Teamkameraden. Sie motivieren mich immer, sorgen für gute Laune und helfen mir dabei, kontinuierlich zu trainieren.
Ohne diese Unterstützung könnte ich diesen Trainingsumfang, aber auch die nötige Selbstmotivation, wahrscheinlich gar nicht aufbringen. Deshalb bin ich dafür sehr dankbar.
Abseits des Sports: Wie verbringst du deine Freizeit? Gibt es Hobbys oder Interessen, die neben der Leichtathletik eine wichtige Rolle spielen?
Ole Steinbach:
Ja, bis vor zwei Jahren habe ich Klavier gespielt. Das war über eine lange Zeit ein großer Bestandteil meines Lebens. Ich hatte jede Woche Klavierunterricht und habe auch viel zu Hause geübt.
Mittlerweile ist das aber immer weniger geworden. Ansonsten treffe ich mich natürlich gerne mit Freunden. Da habe ich das Glück, dass die alle sehr nah bei mir wohnen.
Außerdem verbringe ich viel Zeit mit meinen Teamkameraden und genieße einfach das Umfeld, das wir hier haben.
Du hast gerade das Klavierspielen angesprochen. Wie lange hast du dieses Hobby ausgeübt?
Ole Steinbach:
Ich habe ungefähr mit neun Jahren angefangen und bis zum Alter von 14 Jahren gespielt, also etwa fünf Jahre lang. Das war schon eine lange Zeit.
Irgendwann hat es aber nicht mehr richtig mit dem Leistungssport zusammengepasst, weil es zeitlich einfach schwierig wurde. Deshalb musste ich leider damit aufhören.
Du bist bereits seit vielen Jahren Teil des DSC. Was macht den Verein für dich besonders und welchen Anteil hat er an deiner sportlichen Entwicklung?
Ole Steinbach:
Der DSC ist auf jeden Fall ein super Verein. Es macht mir sehr viel Spaß, hier zu trainieren.
Es sind einfach unglaublich viele Personen involviert, dadurch hat man viel Abwechslung. Der DSC ist sehr breit aufgestellt und es gibt viele Trainingsgruppen, die auch alle relativ stark sind. Dadurch kann man sich untereinander austauschen.
Man kann sich auch bei anderen Trainern Rat holen, wenn man mal Fragen hat. Außerdem ist es schön, mit älteren Athleten zu trainieren, aber auch die jüngeren Sportler zu sehen, wie sie langsam anfangen und sich weiterentwickeln.
Das macht den Verein für mich sehr attraktiv.
Wenn wir uns in drei bis fünf Jahren erneut zu einem Interview treffen würden: Wo möchtest du sportlich bis dahin stehen?
Ole Steinbach:
Natürlich wünsche ich mir, dass ich mich dann bei den Männern etabliert habe.
Mein nächstes Ziel ist aber erst einmal die U20. Dort möchte ich wieder erfolgreich sein und idealerweise auch wieder international starten, vielleicht erneut bei einer Europameisterschaft.
Langfristig möchte ich mich dann auch bei den Männern etablieren und sowohl in der Halle als auch draußen auf diesem Niveau konkurrenzfähig sein.
Aber das liegt noch etwas weiter in der Zukunft, deshalb habe ich darüber noch nicht allzu viele Gedanken gemacht.
Bitte vervollständige folgenden Satz: „Leichtathletik bedeutet für mich ...“
Ole Steinbach:
Teamgeist, viel Training, viel Spaß, viele Wettkämpfe, Anstrengung, hartes Training und einfach Leidenschaft.
Zum Abschluss: Mit welchen drei Worten würdest du den Dresdner SC beschreiben?
Ole Steinbach:
Besonders, vielfältig und nett.


