Marc Hildebrand vor der U20 EM

Marc Hildebrand: „Im Ziel fiel einfach der ganze Druck ab“

Ein Wochenende, das Marc Leonhard Hildebrand so schnell nicht vergessen wird: Der Hürdensprinter gewann den deutschen U20-Meistertitel über 110 Meter Hürden, stellte einen neuen deutschen U20-Rekord auf und qualifizierte sich für die U20-Weltmeisterschaft. Im Interview spricht der Schützling von Trainer Tom Burger über seinen Erfolg, den Umgang mit Verletzungen, die Bedeutung seines Umfelds und seine Vorfreude auf die bevorstehende WM.

Vom Nachwuchstalent zum deutschen Rekordhalter

Marc Hildebrand trainiert in der Nachwuchs-Sprintgruppe bei Trainer Tom Burger und hat sich auf die 110 Meter Hürden spezialisiert. Mit seinen jüngsten Erfolgen setzte er ein deutliches Ausrufezeichen in der deutschen Leichtathletik.

„Im Rückblick war es nach dem Halbfinale gar nicht so einfach, den Fokus zu behalten“, berichtet Hildebrand. Bereits dort hatte er den deutschen U20-Rekord gebrochen. Für das Finale nahm er sich vor, noch einmal sauber und konzentriert zu laufen. „Ich kann mich gar nicht mehr richtig daran erinnern, was im Endlauf passiert ist. Das war einfach ein Flow. Im Ziel hat man sich dann ein Stück weit von dem Druck befreit gefühlt.“

Belohnung für harte Arbeit

Als ihm bewusst wurde, dass er nicht nur Deutscher Meister geworden war, sondern auch den deutschen U20-Rekord verbessert hatte, überwogen Freude und Erleichterung.

„Wenn man bedenkt, was vorher alles passiert ist und wie die Saison verlaufen ist, war das ein unglaublicher Moment. Es war vor allem die Bestätigung, dass sich die ganze Arbeit ausgezahlt hat“, sagt der 110-Meter-Hürdensprinter.

Erfolg trotz Verletzungsproblemen

Der Weg zu diesem Erfolg war alles andere als einfach. In dieser Saison hatte Marc unter anderem mit einem Knochenödem und anhaltenden Beschwerden im Schienbein zu kämpfen. Nach einem MRT im Mai musste das Training regelmäßig angepasst werden. Gemeinsam mit seinen Physiotherapeuten und Trainer Thomas Burger arbeitete er eng daran, die Belastung optimal zu steuern. „Wir haben jede Woche neu geschaut, wie mein Körper reagiert. Manchmal war nur eine Laufeinheit möglich, manchmal zwei. Das musste ständig abgestimmt werden“, erklärt Marc.

Der entscheidende Unterschied im Finale

Besonders bemerkenswert: Bereits im Halbfinale lief Marc deutschen Rekord, im Finale steigerte er sich noch einmal.

„Im Halbfinale habe ich eine Hürde leicht berührt. Im Finale ist das nicht passiert“, sagt er. Entscheidend sei gewesen, dass sein Rhythmus über die gesamte Distanz erhalten blieb. „Wenn du keine Hürde berührst, kannst du einfach weiterlaufen. Im Finale hat sich mein Rhythmus von Hürde zu Hürde immer besser entwickelt. Da kam am Ende vieles zusammen.“

Starker Rückhalt durch Trainer und Familie

Einen großen Anteil an seinem Erfolg schreibt Marc seinem Umfeld zu. Besonders seine Familie habe ihn in schwierigen Phasen unterstützt.

„Ohne meine Familie wäre das wahrscheinlich überhaupt nicht möglich gewesen. Sie helfen bei den Fahrt- und Essenskosten und sind einfach da, wenn man jemanden zum Reden braucht.“

Auch die Zusammenarbeit mit Trainer Tom Burger hebt er hervor. Seit Ende 2022 trainiert er unter dessen Anleitung.  „Tom weiß mittlerweile genau, wie ich ticke und wie das Training für mich angepasst werden muss. Das ist ein großer Verdienst von ihm.“

Technik als Schlüssel zum Erfolg

Rückblickend sieht Marc seine größten Fortschritte in der Bewegung zwischen den Hürden. Gerade dieser Bereich habe ihn sportlich entscheidend weitergebracht.

„Hürdensprint ist eine extrem technische Disziplin. Es gibt immer kleine Dinge, die man verbessern kann. Der Start, die Rhythmik zwischen den Hürden, die Überquerung selbst – alles muss zusammenpassen. Am Ende geht es darum, möglichst wenig Zeit am Boden zu verbringen.“

Vorfreude auf die U20-Weltmeisterschaft

Mit der erfolgreichen Qualifikation wartet nun das nächste Highlight: die U20-Weltmeisterschaft. Für Marc war dieses Ereignis über ein Jahr lang das große Saisonziel.

„Die Vorfreude ist riesengroß. Wenn man die Meldelisten sieht, merkt man, dass man dort dazugehört. Man hat sich das hart erarbeitet und bekommt jetzt die Chance, sich auf dieser Bühne zu präsentieren.“

Besonders freut er sich darauf, Athletinnen und Athleten aus aller Welt kennenzulernen. „Natürlich möchte ich dort auch sportlich etwas erreichen. Aber ich freue mich ebenso auf den Austausch mit den Menschen aus den verschiedenen Nationen.“

Dankbarkeit für den DSC

Dem DSC fühlt sich Marc eng verbunden. Die Trainingsbedingungen, das starke sportliche Umfeld und die kurzen Wege zwischen Schule und Training seien wichtige Faktoren für seine Entwicklung.

„Es ist etwas Besonderes, in so einer leistungsstarken Trainingsgruppe trainieren zu dürfen. Wir haben hier hervorragende Bedingungen und dafür kann man sehr dankbar sein.“

Auch die Sportschule sieht er als großen Vorteil. Die Möglichkeit, das Abitur über drei Jahre zu strecken, schaffe zusätzliche Freiräume für Regeneration, Physiotherapie und Training.

Ehrgeizig, offen und aufgeschlossen

Auf die Frage, wie er sich selbst in drei Worten beschreiben würde, antwortet Marc Hildebrand ohne zu zögern: „Ehrgeizig, offen und aufgeschlossen.“

Eigenschaften, die ihn auf seinem bisherigen Weg geprägt haben – und die ihm auch bei der U20-Weltmeisterschaft helfen sollen, den nächsten Schritt in seiner sportlichen Karriere zu machen.

Marc Hildebrand hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Der DSC ist stolz auf seine Entwicklung und die Leistungen der vergangenen Wochen. Für die U20-Weltmeisterschaft und seinen weiteren sportlichen Weg wünscht der Verein ihm viel Erfolg, die nötige Portion Glück und vor allem die Freude am Sport, die ihn bis hierher getragen hat. 

Marc Hildebrand Fotograf Stefan MayerFoto: Stefan Mayer