Wie Wolfram die Langeweile vertrieb

Wasserspringen 27.02.2014

DSC-Journal 4/2013 erschienen mit u.a. mit Beiträgen über die Wasserspringer

Wie Wolfram die Langeweile vertrieb

Wasserspringer Martin Wolfram ist ein „Stehaufmännchen“. Mitte November hatte sich der 22-Jährige seiner zweiten Schulter-Operation unterziehen müssen. War nach Olympia 2012 die rech - te Schulter lädiert, flickten die Ärzte nun die linke Seite. Das war besonders bitter, schließlich hatte er zwischenzeitlich schon wieder vom Einmeterbrett EM- Silber gewonnen. „Ich war gerade auf einem so guten Weg, an mein altes Leistungsvermögen anzu- knüpfen und auch wieder auf den Turm zu steigen. Das wurde abrupt gestoppt“, erinnert sich der Schützling von Trainer Boris Rozenberg, der aber den Kopf nicht in den Sand steckte und die erneute Zwangspause nicht nur für die Reha nutzte. Er entwickelte seine eigene Methode, mit der Situation klarzukommen und die Langeweile zu vertreiben. „So oft es ging, schaute ich den anderen beim Training zu. Und wenn ich ihre Sprünge sehe, manchmal auch korrigiere, absolviere ich die Bewegungen im Kopf mit und das hilft mir, die Abläufe im Gedächtnis aufzufrischen, ohne dass ich selbst springe“, erläutert Wolfram, der zudem bei den jüngsten Ta- lenten als Übungsleiter aushilft. „Ich kümmere mich speziell um die Störenfriede, damit die anderen in der Gruppe in Ruhe üben können. Dabei habe ich sie schon richtig hart rangenommen, da gibt es kein Pardon“, sagt der Olympia-Achte schmunzelnd. „Und ich liege auch sonst nicht auf der faulen Haut“, betont Martin Wolfram, der sich als Aktivensprecher der deutschen Wasserspringer eines ganz besonderen Projektes annahm. „Ich habe organisiert, dass 48 deutsche Athleten ihren ganz persönlich designten Lappen bekommen. Diese Tücher gehören bei uns zu den wichtigsten Utensilien. Doch leider konnten wir bisher nicht jene bekommen, die wir gern wollten. Das habe ich in die Hand genommen, eine holländische Firma aufgetrieben, die sie preisgünstig herstellt und dann alle Springerinnen und Springer nach ihren persönlichen Wün - schen abgefragt. Manche wollten zum Beispiel ihren Namen darauf haben, andere ein spezielles Zitat und dazu kam noch das Logo von der EM 2014 in Berlin. Das hat ganz schön Zeit und Organisation gekostet. Jetzt ist alles fertig und ich kann die Lappen bei den Meisterschaften verteilen“, berichtet Wolfram nicht ohne Stolz. Nebenbei nutzte er die Zeit für die Fahrschule und Schritt für Schritt kämpft er sich auch im Sport wieder heran. „Bis jetzt hält die Schulter sehr gut. Ich schwit - ze jeden Tag drei Stunden im Kraftraum, einen Streichholzarm habe ich also nicht mehr“, zeigt er grinsend seine Muskeln. Wenn alles klappt, will die Kämpfernatur Ende Februar wieder ins Wasser eintauchen. Auch wenn es für einen EM-Einsatz vom Turm in Berlin noch nicht reichen wird, auf „irgendeinen Wettkampf hoffe ich trotzdem noch“, so sein Traum.

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Kurz & knapp


Gewechselt

Wasserspringerin Felicitas Lenz vom Berliner TSC wechselte nach Dresden. Die 21-Jährige, die bei den Deutschen Meisterschaften 2013 Vierte vom Turm wurde, trainiert jetzt bei Boris Rozenberg.


Aufgestellt

Bei der Umfrage zur Wahl der „Dresdner Sportler des Jahres 2013“ stehen diesmal besonders viele Kandidaten des DSC auf dem Stimmzettel. In den sieben Kategorien sind unter anderen die Wasserspringer Tina Punzel und Sascha Klein, die Leichtathle - ten Jenny Elbe und Lars Hamann, die Volleyballerinnen und die Akrobaten zu finden. Bis zum 15. Februar kann noch angestimmt werden. Die Sieger werden bei der Gala des Dresdner Sports am 15. März im Kongresszentrum gekürt.

 

TOPS

Überraschend

Bei Vier-Länder-Kampf im russischen Kasan gewann Tina Punzel mit ihrer wieder genesenen Berliner Synchronpartnerin Nora Subschinski überraschend den Synchronwettbewerb vom Dreimeterbrett gegen die starken Teams aus Russland, Italien und der Ukraine. Im Dreimeter-Einzel belegte sie Rang drei, gemeinsam mit Sascha Klein erkämpfte sie Rang vier im Teamwettbewerb. Sascha Klein erreichte vom Dreimeterbrett ebenfalls Rang vier.

Stark

Bei einem internationalen Junioren-Meeting im kanadischen Montreal gewann Louisa Stawczynski die Konkurrenz der A- Jugend vom Dreimeterbrett. Die 16-Jährige trat außerdem erstmals international bei den Frauen an und wurde starke Vierte. Vereinskollegin Kristin Syrbe belegte Rang sieben und vom Turm kam sie sogar auf den fünften Platz.

Nominiert

Louisa Stawczynski und Timo Barthel sicherten sich im Rahmen eines Nationalmannschafts-Lehrgangs in Halle vom Dreimeterbrett die Fahrkarte für die internationale Qualifikation für die Youth Olympic Games. Beide werden in der letzten Februarwoche nach Mexiko reisen, um dort den Startplatz für die Jugendolympia, die im August in China stattfindet, zu erkämpfen. Timo Barthel ist auch noch für den Turmwettkampf nominiert.

Solide

Bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften und dem Kürpokal sicherten sich die DSC-Gastgeber in der Halle am Freiberger Platz zweimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze in den Einzelwettbewerben, dazu holten die Damen und die Gesamtmannschaft jeweils Bronze. Gold ging auf das Konto von Tina Punzel, die von 1 m und im 3-m-Synchron mit Nora Subschinski gewann. Silber gab es für Josefin Schneider von 3 m, Dritte wurden Tina Leuchte (3 m) und Kristin Syrbe (Turm).

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