"Eine der bittersten Niederlagen"

Volleyball 15.09.2016

Paralympics: Alex Schiffler & Co unterliegen Brasilien

 

Sie konnten es nicht fassen. Die deutschen Sitzvolleyballer sind mit einer 1:3-Niederlage gegen Gastgeber Brasilien in der Gruppe gescheitert und müssen ihre Medaillen-Ambitionen begraben. „Das ein Spiel so verpfiffen wird wie heute, habe ich in meiner langen Karriere wirklich selten gesehen“, ärgert sich Chefcoach Rudi Sonnenbichler.  

Dabei hatte es aus deutscher Sicht gut begonnen: Mit unbedingtem Siegeswillen war das Team um Kapitän Heiko Wiesenthal in das Match gestartet und führte in Satz 1 zwischenzeitlich mit 5:1 und 12:6. Die Brasilianer kamen zwar wieder heran, doch die deutsche Mannschaft zeigte heute Nervenstärke und ging mit 26:24 in 1:0-Satzführung.

Auch im zweiten Durchgang spielten die Deutschen gut auf. „Heute haben wir endlich wieder Volleyball gespielt“, war Sonnenbichler mit der spielerischen Leistung seiner Spieler zufrieden. Der Satz verlief durchgehend relativ ausgeglichen, meist lag das deutsche Team mit ein oder zwei Punkten vorne. Der Knackpunkt war, als bei 22:20 ein schon gegebener Punkt Wiesenthal und Co. wieder aberkannt wurde und den Brasilianern zugesprochen wurde. „Das war einfach eine dumme Fehlentscheidung – der Ball war im Aus. Plötzlich zeigt der Schiri ihn dann gegen uns, weil der Linienrichter weiß der Himmel was gesehen hat“, schildert Jürgen Schrapp.

„Es hätte eigentlich 23:20 gestanden, somit stand es nun 22:21. Danach gab es noch einen dicken Übergriff, den er auch nicht gesehen hat.“ So konnten die Brasilianer eine deutsche 2:0 Führung verhindern und klauten dem deutschen Team Satz Nr.2 noch. 

Im Anschluss verlor das Schiedsrichter-Gespann dann leider völlig den Faden. „Das waren wirklich teilweise unfassbare Entscheidungen“, zeigte sich Sonnenbichler völlig verständnislos. „Bei uns wurden Lifts abgepfiffen, auf der anderen Seite standen sie fast.“ Auch den Spielern auf dem Feld war die Verärgerung anzumerken, nichtsdestotrotz kämpften sie weiter. Bei 8:9 kassierte das deutsche Team die erste rote Karte wegen Meckerns, die sie noch gut wegsteckten. Als dann jedoch die zweite Karte zum 13:16 gezogen wurde, riss der Faden ein wenig und die Brasilianer zogen auf 14:19 weg. Zwar konnten sich die deutschen Spieler noch einmal ein wenig heranarbeiten, doch schließlich ging der dritte Satz mit 18:25 an Brasilien. „Da haben wir dann leider den Fehler gemacht, uns zu viel mit den Aktionen des Schiedsgerichts auseinander zu setzten, anstatt uns auf unser Spiel zu konzentrieren“, gibt der Chefcoach zu. „Im vierten Satz war es dann nicht mehr zu retten. Wir hätten machen können, was wir wollen, wir haben heute nicht gegen die sechs Spieler auf dem Feld verloren.“  

Tatsächlich folgten im nächsten Durchgang noch zwei weitere rote Karten. „Es war sehr einseitig“, so der Leverkusener Routinier Schrapp. „Wir bekommen eine rote Karte wegen Zeitspiels, die Brasilianer sitzen drüben vier Minuten und diskutieren, wer Aufschlag macht und bekommen noch nicht mal Gelb. Es wurde auch im ganzen Spiel kein einziges Lifting oder Netz gegen Brasilien gepfiffen.“ Am Ende ging der vierte Satz mit 12:25 an Brasilien und die deutschen Sitzvolleyballer waren mehr als bedient.

Dennoch machten sie ihr Vorrunden-Aus nicht nur an den Fehlentscheidungen im Spiel gegen den Gastgeber fest: „Wir haben es gegen Ägypten verbockt, das muss man ganz deutlich sagen“, findet Schrapp klare Worte. „Da hatten wir die Chance, wir waren 2:0 und 22:18 vorne - dann hätten wir so ein Spiel wie heute nicht gehabt. Dass es hier im Hexenkessel schwierig werden würde, wussten wir.“ 

Die Enttäuschung über das verpasste Halbfinale ist nun groß. Im Moment mag noch niemand über das noch anstehende Platzierungsspiel am Freitag um Platz 5, welches wahrscheinlich gegen die Ukraine sein wird, nachdenken. 

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