Die Olympia-Debatte: Das sagen unsere Sportler

Erstellt von sh Verein Leichtathletik Volleyball Wasserspringen 23.03.2020

Sollten die Spiele verlegt oder gar abgesagt werden?

Angesichts der weltweiten Covid19-Pandemie und den weitreichenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens wird die Frage nach der Durchführbarkeit der Olympischen Sommerspiele in diesem Jahr immer lauter. Weltweit wird diese Frage aktuell diskutiert. Am Sonntag hat das Nationale Olympische Kommittee von Kanada mitgeteilt, auf die Sommerspiele verzichten zu wollen, sollten sie wie geplant stattfinden. Nichts sei wichtiger als die Gesundheit und der Schutz der Sportler und der Weltgemeinschaft, hieß es in der Mitteilung. Auch in Deutschland haben erste Athleten über einen Verzicht gesprochen.

Das IOC teilte am Wochenende mit, man gebe sich vier Wochen Zeit, um eine Entscheidung über eine mögliche Verschiebung zu fällen. Eine ersatzlose Streichung stünde aktuell nicht zur Debatte.

Wie geht es unseren Olympiakandidaten mit dieser Situation und wie stehen sie zu der Debatte? Wir haben nachgefragt:

3000m-Hindernisläufer Karl Bebendorf: "Ich gehe davon aus, dass die Spiele ausfallen oder verschoben werden. Es ist fast unmöglich, dass sie so stattfinden, wie geplant. Es ist für uns Deutsche und bestimmt auch für andere Länder fast unmöglich, sich überhaupt noch zu qualifizieren. Es sind fast alle Wettkämpfe bereits abgesagt worden, die ich laufen wollte. Es müsste dann alles so geändert werden, dass Vorjahresleistungen oder ein aktueller Leistungsnachweis zählen. Da ist es fast unmöglich, eine Gleichheit zu schaffen.
Zum anderen ist es auch unzumutbar, weil die Dopingkontrollen derzeit ja nicht mehr so durchgeführt werden, wie es sein müsste. Das heißt, jetzt könnten diejenigen, die unsauber den Sport betreiben, sich richtig 'vollstopfen', weil es derzeit keine Kontrollen gibt. Aus Sicht der nationalen und der Weltdopingagentur ist das aktuell nicht kontrollierbar. Nichtsdestotrotz trainiere ich derzeit noch, als würde Olympia stattfinden. Eventuell werden ja auch die Europameisterschaften stattfinden und da würde ich ja auch fit sein wollen. Ich lasse mich derzeit möglichst wenig beirren und bin zum Glück in meiner Laufdisziplin nicht so eingeschränkt, was die Trainingsbedingungen angeht."

DSC-Sitzvolleyballer und Nationalmannschafts-Mitglied Alexander Schiffler: "Momentan tue ich mich schwer, es realistisch einzuschätzen, dass die Paralympics wie geplant stattfinden werden. Gerade im Mannschaftssport ist ja das Training völlig auf Eis gelegt derzeit.
Es gibt auch keine neue Information, was unser ausgefallenes Qualifikationsturnier angeht. Würde es nach Rankingpoints gehen, sieht es für uns nicht gut aus. Momentan denke ich, wäre eine Verschiebung nach hinten das Beste. Wir sollten erstmal die nächsten vier Wochen abwarten."

 

 

Wasserspringer Martin Wolfram: "Es ist schwierig, sich eine genaue Meinung zu bilden. Der Aufschrei von vielen Sportlern ist groß, die Spiele zu verschieben. Für mich persönlich würde dies bedeuten, dass ich mehr Zeit hätte, mich von meiner Schulterverletzung zu erholen. Insofern wäre es für mich gut. Aus genereller Sicht kann ich mir aber kein Urteil erlauben, wie gesundheitlich gesehen die Situation in drei Monaten aussehen könnte. Als Laie habe ich den Eindruck, dass wir dies so schnell nicht in den Begriff bekommen.
Wir haben aktuell ja auch den Trainingsbetrieb einstellen müsen und damit ist es für unsere Sportart nochmal schwieriger geworden, da wir ja die Sprünge üben müssen sowie die koordinativen Fähigkeiten und das Fluggefühl. Und das verliert sich leider sehr schnell, wenn man es nicht trainiert. Daher wäre es für uns sehr schwierig, wenn wir längere Zeit nicht trainieren könnten, denn wir wollen ja bei Olympischen Spielen auch eine hohe Qualität zeigen können. Das macht ja Olympische Spiele aus. Für mich selbst ist auch unklar, wie es ohne Physiotherapie aktuell weitergeht. Ich habe Hausaufgaben mitbekommen, aber natürlich fehlen einige Faktoren, die ich zuletzt in Berlin in der Reha genießen konnte.

Wasserspringerin Tina Punzel: "Meine persönliche Meinung ist, dass die Spiele dieses Jahr nicht stattfinden können. Erstens kann zur Zeit kaum jemand trainieren. Kanada und Australien haben bereits angekündigt, keine Athleten zu entsenden, die Dopingkontrollen sind derzeit fragwürdig und können nicht ordentlich durchgeführt werden. Dadurch, dass wir im Moment erst am Anfang der Ausbreitung stehen, macht es keinen Sinn, in vier Monaten Spiele durchzuführen. Alle Maßnahmen, die wir bis jetzt ergriffen haben, wären sinnlos gewesen, wenn dann auf einem Platz alle zusammen kommen. Ich hoffe, dass das IOC das erkennt und die Spiele verschiebt. Für uns Athleten ist es eine nie da gewesene Situation, aber ich habe das für mich schon so gut es geht akzeptiert. Ich versuche, die Zeit für die Uni zu nutzen und im Optimalfall mich ab dem nächsten Winter auf die neue Saison vorzubereiten. So können alle von Null starten und es kann faire Spiele geben. Im Moment kann ich gar nicht mit freiem Kopf trainieren, weil das Ziel infrage steht bzw. weggefallen ist."

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